Drücken Sie „Enter“, um den Inhalte zu überspringen

Aufruf eines Russen an die preußischen Länder jenseits der Elbe.

Als unsere Siege den Feind der Welt aus unseren Grenzen verjagt und seine Heere vernichtet hatten, da lernten wir aus der Wut seiner eigenen Soldaten gegen ihn, aus der Freude seines Bunds, genossen über das Unglück, das ihn gebeugt hatte, den ganzen Umfang des Elends erkennen, in welches sein Wahnsinn Europa gestürzt hat. Wohlwollend beschloß unser mächtiger Kaiser Russlands das große Werk der Befreiung, das Gott in so wunderbaren Zeichen seiner Hand anvertraut hatte, durch ganz Europa, so weit es sich aus freiem Entschlusse dazu verbinden würde, mit ganzer Kraft zu vollenden. So drang das siegende Russische Heer, nachdem es das eigene Land errettete, aus nachbarlicher langbewährter Freundschaft und eingedenk des gemeinsamen Krieges im Jahr 1807 durch Preußens Länder bis zum Elbufer vor, und Preußens Krieger vereinigten sich mit ihm und alle Bewohner öffneten ihnen freudig die Tore und begüßten es als Befreier von dem unerträglichen Joche der Franzosen, die das Blut der Preußen im ungerechten Kriege mißbrauchten, während sie die Festungen des Landes wie Feinde besetzt hielten, mit Militärgewalt die Hauptstädte unterdrückten, das Land durch Erpressungen verwüsteten und dessen einzigen Erwerb, den Handelsverkehr zur See, verboten.

Seit sechs Jahren von dieser fremden Gewalt erschöpft, hatte aller sparende Fleiß der Einwohner nichts gegen dieses Verderben vermocht, alle Klassen der Einwohner sind verarmt, nur in dem inneren Muthe, in der Treue gegen den alten Namen und das verehrte Königshaus, die das Letzte zur Befreiung von den Franzosen aufsetzt, nur in einer allgemeinen Bewaffnung zu diesem großen Zwecke erwachte ihnen die Hoffnung, ja die Zuversicht jene guten Tage freier Vorzeit wieder zu erblicken, alle Preußen sind mit uns als Brüder und Mitstreiter vereinigt, sie haben mit uns gesiegt, ihr Ruhm erschallt selbst im Munde der Feinde, und so begrüßen wir auch euch, ihr Preußen jenseits der Elbe als Brüder und Mitstreiter.

Ihr werdet mit eurem Blute de alte Blutsfreundschaft bewähren, die kein Krieg und kein erzwungener Friede auflösen konnte. Wir wissen, daß ihr und die anderen deutschen Völkerstämme jenseits der Elbe noch mehr erlitten habt, daß ihr fremden Fürsten und ihren Dienern, fremder Sprache und fremden Gesetzen unterworfen worden seid, daß die Staatsgüter, die sonst dem Staatsbedürfnisse gehörten, euren fremden Unterdrückern geschenkt worden; ja es sagen tausende, die der wachsenden Not jener Länder jenseits der Elbe mit Gefahr ihres Lebens entflohen sind, daß alles was den Menschen mit innerer Notwendigkeit an den vaterländischen Boden bindet, durch die Torheit der fremden Gewalt aufgelöst sei, die ohne Mittel und Rat, wie sie das Leben aller ihrer Bewohner erhalten soll, doch hochmütig verlangt, verlangt, daß alle bereitwillig für sie sterben sollen.

Die Tage der Vergeltung und des Gerichts sind gekommen, stehet auf ihr Gebeugten und tretet eure fremden Tyrannen und die sich ihnen verkauften in Staub, lernt den Krieg in der Reihe eurer Brüder, der geübten und bewährten Preußen, ihr sollt den Franzosen reichlich vergelten, wie sie euch getan.

Eure Schmach dauert nur wenige Jahre, ihr werdet sie bald in Taten auslöschen, denkt eurer ruhmwürdigen Vorzeit; Deutschland ist unüberwindlich, wenn es in Überzeugung und Glauben vereinigt ist, blicket um euch, die Not hat allen Neid und Haß vernichtet, der die Völker Deutschlands einst trennte.

Stehet auf und kämpft für euren edlen König und hütet euch nicht zu früh zu ruhen, wenn der nächste Kreis seine Fesseln gebrochen hat, nur in der Befreiung der deutschen Staaten wird jeder einzelne dauernd frei sein: gedenket daran, daß wir von Niemen aus ernster Sorgfalt zu eurer Befreiung herandrangen, während wir in schöner Siegesruhe uns mehrerer glücklicher Jahre hätten erfreuen können, bis der Tyrann unserer Zeit neue Scharen seiner Mordknechte mit allen Lastern wieder fest zusammengekettet in unser Reich geführt hätte, seine Rache zu versuchen.

Aber gegen solche Ruhe schützt uns die Einsicht in sein gefährliches Werk, wir wollen sichere zuverlässige Nachbarn, ein kräftiges deutsches Zwischenreich wieder errichten, das jedes zerstörende Zusammentreffen zwischen dem Osten und Westen Europens hemmt und alle schaffenden friedlichen Verbindungen vermittelt.

Das war Deutschland einst, und darum stehet auf ihr deutschen Männer, die Zeit ist gekommen, wo alte Freiheit und Recht und langeverehrte Fürstenhäuser sich wieder unter euch begründen. Stehet auf ihr Länder Preußens jenseits der Elbe, der Adler fliegt zu euch in den Fahnen mutiger Krieger, stehet auf ihr Hessen, der Löwe wird euren alten hochberühmten Namen rächen, stehet auf, Hannover und Braunschweig, euch nahen übers Meer die tapferen Landsleute. Sie haben für die Freiheit der Spanier gestritten, jetzt streiten wir mit ihnen verbunden für die Freiheit eures Landes.

Seid ihr euch selbst und eurer guten Sache treu, so schwören wir bei Gott dem Allwissenden, wir verlassen euch nicht, bis das große Werk der Befreiung vollendet ist, wir siegen oder wir sterben zusammen vereint, daß keiner umsonst sein Leben und sein Glück aussetze, also schwören wir euch beim allermächtigen Gotte, der jedem heiligen Unternehmen seinen Segen gibt.

Gedruckt im Preußischen Correspondenten
Nr. 107 Montag, den 4ten October 1813

Gib den ersten Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Mission News Theme von Compete Themes.