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Heiliger Militarismus.

Ein Totschlagargument, das häufig und gerne gegen Preußen von seinen Feinden in Stellung gebracht wird, ist Militarismus. Zuletzt brachte es der alliierte Kontrollrat 1947 mit der Begründung „Preußen sei ein Hort der Reaktion und des Militarismus“ in Stellung, um die Auflösung des preußischen Staates zu verfügen.

Ja, Preußen war, bedingt durch seinen offen gegen den Vatikan gerichteten Protestantismus sowie seine geographische Lage in Europa, immer wieder gezwungen, sich mit Waffengewalt gegen äußere Einflüsse zu wehren. Schon Friedrich Wilhelm I. trieb die Wehrfähigkeit seines Königreiches auf die Spitze, was ihm den Beinamen „Soldatenkönig“ einbrachte. Amüsant an diesem martialischen Bild des Preußenkönigs ist die Tatsache, daß Preußen unter dem Soldatenkönig keinen einzigen Krieg führte – weder offensiv noch defensiv.

Die Notwendigkeit eines „Volks in Waffen“, das Preußen später tatsächlich bildete, ergab sich aus der napoleonischen Gewaltherrschaft. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht erwuchs aus der Erkenntnis, daß es alle Söhne der Nation brauchte, um das Vaterland erfolgreich gegen alle Feinde verteidigen zu können. Wenn Preußen nach 1815 die Waffen ergriff, dann diente dies stets einem nationalen deutschen Interesse, das galt sowohl im Deutsch-Dänischen Krieg von 1862 als auch im Deutsch-Deutschen Krieg von 1866.

Nachdem es Preußen 1866 mit Waffengewalt gelungen war, die äußeren (Frankreich) und undeutschen (Österreich) Interessen aus dem Deutschen Bund zu verdrängen und auf dieser errungenen Unabhängigkeit unter preußischer Hegemonie der Nationalstaat des Norddeutschen Bundes errichtet ward, lag es auf der Hand, daß diese Freiheit und Unabhängigkeit gegen die zahlreichen Feinde eines in Einigkeit erstarkten Deutschlands verteidigt werden musste.

So kam es bald nach Gründung des Norddeutschen Bundes zu einer Vorlage für eine Anleihe für den Wehretat, die verfassungsgemäß die Zustimmung des Reichstages benötigte. In der sich darum am 15. Juni 1867 im Reichstagsplenum entspinnenden und äußerst hitzig geführten Debatte ergriff der preußische General Moltke das Wort. Seine Ausführungen¹ dienen uns heute dazu, die Motive vor Augen führen, auf denen der „Preußische Militarismus“ gegründet ist:

Welcher verständige Mensch würde nicht wünschen, daß die enormen Ausgaben, die in ganz Europa für Militärzwecke gemacht werden, für Friedenszwecke gemacht werden könnten. Eine internationale Verhandlung aber, wie man sie oft dafür empfohlen hat, wird das nie zu Stande bringen. Ich sehe für den Zweck nur eine Möglichkeit, und das ist, daß im Herzen von Europa sich eine Macht bilde, die, ohne selbst eine erobernde zu sein, so stark ist, daß sie ihren Nachbarn den Krieg verbieten kann. Deswegen glaube ich, daß wenn dieses segensreiche Werk jemals zu Stande kommen soll, es von Deutschland ausgehen wird. Aber, meine Herren, das wird erst geschehen, wenn Deutschland stark genug ist, das heißt, wenn es geeinigt sein wird. Um aber dahin zu gelangen, trotz Europas Mißgunst, dazu brauchen wir Armee und Flotte, und ich vertraue deshalb, daß Sie das von der Regierung gebotene Gesetz annehmen werden.

Moltkes Rede erinnert an das berühmte Wort Friedrichs des Großen: Wäre ich König von Frankreich, so sollte in ganz Europa kein Kanonenschuß ohne meine Erlaubnis abgefeuert werden. Moltke konnte den Spruch ändern: Wenn König Wilhelm Deutscher Kaiser werde, so wird er das Kanonenschießen in ganz Europa verbieten. Es war damit unmöglich, den bereits seinerzeit auftretenden, kurzsichtigen Jammer über den sogenannten Militarismus treffender zurückzuweisen. In wahrhaft prophetischer Weise hat der große Feldherr Moltke der europäischen Welt das Bild der kommenden Zukunft gezeichnet:

Ein Deutsches Reich, das so stark ist, daß es jeden Krieg verbieten kann.

Der Reichstag übrigens entsprach unter lebhaftem Beifall seiner Aufforderung und nahm das Gesetz mit 151 gegen 42 Stimmen an. Nur drei Jahre später erfolgte eine weitere Kriegserklärung Frankreichs an Preußen. Damit war die Zeit gekommen, den Krieg in Europa zu verbieten. Der Aggressor Frankreich, der über Jahrhunderte – als Schwert Roms – deutsche Völker immer wieder mit Krieg überzog, wurde von den geeinten Deutschen endgültig in seine Schranken gewiesen. Die Mission Preußens schien am Ziel angelangt, und Wilhelm I. gab Kunde davon in seiner Proklamation „An das Deutsche Volk“, die sog. Kaiserproklamation vom 17. Januar 1871:

Kaiserproklamation

„Wir übernehmen die Kaiserliche Würde in dem Bewußtsein der Pflicht, in Deutscher Treue die Rechte des Reiches und seiner Glieder zu schützen, den Frieden zu wahren, die Unabhängigkeit Deutschland, gestützt auf die geeinte Kraft seines Volkes, zu verteidigen. Wir nehmen sie an in der Hoffnung, daß dem Deutschen Volke vergönnt sein wird, den Lohn seiner heißen und opfermüthigen Kämpfe in dauerndem Frieden und innerhalb der Grenzen zu genießen, welche dem Vaterlande die seit Jahrhunderten entbehrte Sicherung gegen erneute Angriffe Frankreichs gewähren. Uns aber und unseren Nachfolgern an der Kaiserkrone wolle Gott verleihen, allzeit Mehrer des Deutschen Reiches zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung.“

Die Motivation des einst wie heute so verteufelten Preußischen Militarismus liegt damit offen vor uns: Nach nie enden wollenden Kriegen in Europa und insbesondere auf Deutschem Boden, war er Ausdruck der Deutschen Sehnsucht nach andauerndem Frieden in Deutschland und ganz Europa. Es war damit ein heiliger Militarismus.

Die Auflösung des Preußischen Staates (womit übrigens nur der „Freistaat“ Preußen gemeint sein konnte) durch den alliierten Kontrollrat war nicht nur formell völkerrechtswidrig sondern ein praktischer Täuschungsversuch, den einzigen bekennenden Garanten des Friedens per Federstrich abzuschaffen, um darauf basierend die ganze Welt für immer im Kriegszustand des Ersten Weltkrieges unterjochen zu können. Der einstigen sog. Hauptsiegermacht geben wir mit diesem Artikel in den Worten ihres großen Sohnes Abraham Lincoln mit auf den Weg: „Man kann einige Menschen die ganze Zeit und alle Menschen eine Zeit lang zum Narren halten; aber man kann nicht alle Menschen allezeit zum Narren halten.“

Quellen:
¹ Stenographische Berichte des Reichstags 1867, Seite 442 und 450.

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